
Alte Fotos retten: Hand, Photoshop und KI
Ein Riss, ein gelber Fleck oder eine fehlende Ecke kann ein Familienfoto schwer erkennbar machen. Eine Restauratorin behandelt den Papierabzug, eine Bildbearbeiterin den Scan. Generative KI kann fehlende Details anhand gelernter Muster ergänzen.
Die Ergebnisse können ähnlich aussehen, obwohl unterschiedliche Eingriffe dahinterstehen. Es hilft, diese Unterschiede zu kennen, bevor Sie sich für eine Methode entscheiden.
Den Papierabzug erhalten
Fotokonservierung beginnt beim Material. Das Image Permanence Institute und das Northeast Document Conservation Center beschäftigen sich mit der Erhaltung fotografischer Objekte.
Je nach Zustand wird ein gewölbter Abzug geglättet, ein Riss mit Japanpapier und Weizenstärkekleister geschlossen oder eine abblätternde Emulsion gefestigt. Für die Reinigung kommen sorgfältig ausgewählte Schwämme oder Lösungsmittelgele infrage. Zuerst wird der Abzug stabilisiert; erst danach stellt sich die Frage nach einer Retusche.
Dafür werden möglichst Materialien gewählt, die sich später wieder entfernen lassen. Aquarellfarben, Graphit und fotografische Retuschefarben werden in feinen Punkten aufgetragen, die aus normalem Abstand mit dem Bild verschmelzen. Spotone war im 20. Jahrhundert ein bekanntes Produkt; Gamblin Conservation Colors sind ein weiteres Beispiel für Restaurierungsfarben.
Studios arbeiteten auch mit Reproduktionsnegativen beschädigter Abzüge. So ließ sich eine Kopie bearbeiten, ohne das Original anzutasten.
Konservierung und kommerzielle Porträtretusche hatten unterschiedliche Ziele. In den 1930er und 1940er Jahren wurden auf Negativen Kiefer verschmälert, Falten geglättet und Haaransätze verändert. Zusammengesetzte Porträts gibt es mindestens seit den 1860er Jahren. Bei der Konservierung geht es darum, erhaltene Spuren zu bewahren. Das begrenzt, wie weit fehlende Details ergänzt werden können.

Eine digitale Kopie bearbeiten
Photoshop erschien im Februar 1990. Damit ließ sich ein Scan bearbeiten, während der Papierabzug unverändert blieb. Ebenen und Masken helfen, einzelne Eingriffe zu trennen und später zu überarbeiten.
Der Kopierstempel kopiert Pixel an eine andere Stelle. Der Reparatur-Pinsel, eingeführt mit Photoshop 7 im Jahr 2002, passt kopierte Texturen an die Tonwerte der Umgebung an. Auch Farbkanäle lassen sich getrennt prüfen. Ist einer stärker verrauscht als die anderen, kann eine gezielte Korrektur Details besser sichtbar machen.
Vor der Bearbeitung steht die Diagnose: Liegt die vermeintliche Schramme in der Emulsion oder auf dem Scannerglas? Betrifft ein Fleck nur einen Farbkanal? Fehlt der Kontrast im ganzen Bild oder nur an einer Stelle?
Bei der Frequenztrennung werden grobe Tonwerte und feine Texturen auf getrennte Ebenen gelegt. So lassen sich Verfärbungen bearbeiten, ohne das Korn zu glätten. Ein stark beschädigtes Porträt kann trotzdem einen großen Teil eines Arbeitstages beanspruchen.
Kopierte Pixel belegen allerdings nicht, was an einer fehlenden Stelle ursprünglich zu sehen war. Muss ein Teil eines Gesichts ergänzt werden, bleibt das eine Interpretation.

Was generative KI ergänzt
DeOldify wurde 2018 als Open-Source-Projekt zur Kolorierung veröffentlicht. Weitere Beispiele sind GFPGAN von Tencent ARC aus dem Jahr 2021 und CodeFormer vom S-Lab der Nanyang Technological University aus dem Jahr 2022. Auch Bildbearbeitungsprogramme bieten neuronale Filter an.
Solche Modelle verbinden Hinweise im erhaltenen Bild mit Mustern aus anderen Bildern. Sie können Rauschen reduzieren, kleine Gesichter deutlicher erscheinen lassen und Schwarz-Weiß-Fotos kolorieren. Wo kaum Informationen übrig sind, können sie plausibel wirkende Details erzeugen.
Diese Details können falsch sein. Ein blau eingefärbtes Kleid war vielleicht rot. Augen, Haaransätze, Schmuck und Abzeichen können sich verändern. Manchmal fällt das sofort auf: Ein glattes Gesicht passt nicht zum unscharfen Körper, oder ein Riss wird als Falte dargestellt.
CodeFormer beschreibt einen Kompromiss zwischen Originaltreue und Bildqualität. Ein klareres Ergebnis kann stärker von der Vorlage abweichen. Vergleichen Sie es mit dem Original, besonders bei Merkmalen, an denen Sie eine Person erkennen.
Änderungen nachvollziehbar halten
Physische Retuschen lassen sich unter Streiflicht erkennen. Eine Photoshop-Datei mit Ebenen bewahrt Bearbeitungsinformationen, die beim Export als flaches JPEG verloren gehen. Bei generativer KI stehen erhaltene und erfundene Details gemeinsam im fertigen Bild.
C2PA Content Credentials können Verarbeitungsinformationen mit der Datei verknüpfen. Bewahren Sie außerdem den unveränderten Scan auf, um die Fassungen vergleichen zu können.
BackInTime bearbeitet eine digitale Kopie, um Flecken und Risse zu mindern, den Kontrast zu verbessern und auf Wunsch Farbe hinzuzufügen. Die ursprüngliche Fotochemie hat diese Farben nicht aufgezeichnet. Die Kolorierung bleibt daher eine Interpretation. Behalten Sie Originalscan und restaurierte Fassung.
Wie Sie eine Aufnahme vorbereiten, passende Reparaturen wählen und das Ergebnis prüfen, zeigt unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Restaurieren alter Fotos.
